Schräge Töne auf der Höhe

Zwielichtiges rund ums Winterfestivals.

Die Erinnerung sei eine Fälscherwerkstatt, lautet ein geflügeltes Wort; die folgenden Zeilen sind auch in diesem Sinn zu verstehen.
Eine starke Erinnerung ist Lothar: das bedrohliche Stürmen und Pfeifen und Knarren und Knacken in den letzten Tagen des Jahres 1999; zuhause lauschten wir bang und sahen, wie hinter dem Haus am Harder die Bäume knickten, als wären sie Zundhölzer.

So sah es nach Lothar bei der Kirche Achseten aus.

Lothar und Milleniumsparty

Mit dem Abflauen des Sturms ging ich mit meinen damals noch kleinen Kindern runter nach Interlaken und besah mir unter anderem auf der Höhe die Schäden an den technischen Installationen der Milleniumsparty – die grosse Bühne stand damals noch längs zum Höheweg.
Das Fest konnte stattfinden, doch ob Polo gespielt hat oder VIP, weiss ich nicht mehr. Aber dass ich mit am Anfang von dem stand, was jetzt gerade als Festival und Jubiläum bejubelt wurde, weiss ich noch gut.

Um die Jahrtausendwende war ich nämlich als Mitglied der Finanzkommission Unterseen in eine Spezialkommission delegiert, die den Jahreswechsel von 1999 nach 2000 zu einem Fest machen sollte.
Es ging um etwas Einmaliges: eine grosse, kostenlose Party vorab für die Einheimischen. Zu den Sitzungen der Spezialkommission trafen sich neben den Vertretungen der Bödeligemeinden die üblichen Verdächtigen: Profis in Sachen Organisation von Grossveranstaltungen – Jahre später sollten die entsprechenden Interessevertretungen das entsprechende Segment zu einer strategischen Position der touristischen Destination machen und damit einen stetigen Geldfluss sicherstellen.

Milleniumsparty und Eventveranstalter

Die Kommissionsarbeit begann erfreulich: Ich erinnere mich lebhaft an ein ausladendes Dekolletee, mitunter mit einladenden Aufforderungen verbunden – «gäll, Allbärt».
Ich sah das auch gern, mochte es aber nicht. Die Marketingprofis wickelten die braven Mannsbilder nach allen Regeln der Werbekunst ein; bald zeichnete sich ab, dass aus dem einmaligen Fest eine Veranstaltungsreihe werden sollte.
Dieser Tage wurde das Jubiläum gefeiert, und die nächste Generation der hiesigen Veranstaltungsprofis durfte den rührend ignoranten Resten hiesiger Regionalmedien darlegen, was für ein menschenfreundlicher Kraftakt das Stemmen eines Gratisfestivals doch sei.

Damals verliess ich samt einigen anderen Mitgliedern die Spezialkommission unter Protest: Einerseits gehe es nicht an, mithilfe von Gemeinden mitten im Winterhalbjahr ein wiederkehrendes Musikfestival zu installieren, das von der Logistik bis zu den Gagen vor allem koste. Andererseits sei es mehr als fragwürdig, neben dem öffentlichen Geld namentlich zweckgebundene Kurtaxengelder in den Anlass zu pumpen.

Vieles festgehalten: meine Gadgets ums Jahr 2000.

Im Zuge von Kommissionssitzungen notierte ich unter dem Stichwort «Millenniumsfeier» am 16. August 2000 in meinen Palm, dessen Daten ich in die Clouds von heute mitgetragen habe: «Kostenüberschreitungen von ca 50000, die von den Gemeinden bezahlt werden sollen.»

Fremdes Geld heimlich zweckentfremden

Zu schlechter Letzt darf ich zum einen daran erinnern, dass die Jahresrechnungen der Tourismusorganisation Interlaken (TOI), in denen unter anderem dieses Festival auftauchen müsste, eine sozusagen geheime Verschlusssache sind.
Insofern bleiben nur der Latrinenweg und die Gerüchteküche, aus denen zum anderen übrigens zurzeit verlautet, die TOI lasse sich gegebenenfalls dazu herab, 10’000 Franken lockerzumachen für ein anderes stationäres Angebot auf der Höhematte mit touristischem Einschlag: die dringend nötige Sanierung der Tennisplätze.

1 Kommentar

  1. Peti – wider mau genial! U ganz bsunders di Song – e Bödeli Version vo: „All in all you’r just another Brick in the Wall“. …“so mängisch hani dr’s Dütsch-u-dütlech gseit …“ Isch mer ömu grad so i Sinn cho.

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