Gruseliger Guru goes Mysterypark

Als ich in der Jungfrau Zeitung, pardon, Plattform J, den lieblich lächelnden Guru sah, der für kommenden Samstag, 25. Mai 2024, zu Segnungen in den Jungfrau Park vulgo Mystery Park lädt, hatte ich drei Visionen:

  • 1998 schickte mich die alte Weltwoche, eine Zeitung von Weltformat und kein engstirniges Blättchen wie heute, in den Kursaal Interlaken, um über einen Anlass der Universalen Kirche zu berichten. Das war ein ziemlicher Wirbel, die sogenannte Öffentlichkeit nahm Anteil, die teils menschenverachtenden, teils irrwitzigen Positionen der Kirchenvertreter wurden nicht stillschweigend hingenommen.
  • Im Jahre 2003 eröffneten Erich von Däniken und Oskar Schärz für rund 100 Millionen Franken den Mystery Park, nachdem Granden von Bundesrat Adolf Ogi bis Nationalratspräsident Hanspeter Seiler jahrelang wortreich geweibelt und Unterstützungskomitees vorgestanden hatten.
    Fachleute, von den Initianten zu Hearings nach Interlaken geholt, warnten zwar, der Park könne nicht funktionieren. Warum sie trotzdem weitergemacht hätten, fragte ich Oskar Schärz nach dem baldigen Zusammenbruch, der unter anderem die Pensionkasse der Hotellerie Millionen kostete: Sie hätten beweisen wollen, dass sie es könnten, sagte mir Schärz treuherzig.
    Nach Gesprächen mit den Fachleuten, die vor Ort waren, gehörte ich journalistisch zu den wenigen Kritikern, wurde aber nach Kräften mundtot gemacht: Die SonntagsZeitung, damals ein wichtiger Kunde von mir, war mit ihrem Mutterhaus Medienpartner des Unsinns und wollte ebensowenig Kritisches wie die Weltwoche – wenigstens an der Mattner Gemeindeversammlung gab es klare Widerworte: „Wär ruumt de dä Seich eis dänne?“, soll ein Alteingesessener in den Saal gerufen haben.
    Den Tenor brachte der damalige Gemeindepräsident in Unterseen, Simon Margot, selbstredend auch ein Supporter des Parks, mir gegenüber auf den Punkt: Genau wegen solchen Miesepetern wie mir sei der Park gescheitert.
  • Das ZDF Magazin Royale ist beissende Satire und harte Recherche. Protagonist Jan Böhmermann arbeitet an juristischen Grenzen und musste etwa wegen einer mutmasslich schweren Beleidigung des türkischen Präsidenten auf den gerichtlichen Prüfstand.
    Als ich nun in der Jungfrau Zeitung, pardon, Plattform J, den lächelnden Guru Paramahamsa Vishwananda sah, glaubte ich mich zu erinnern…
    In der Tat hat das ZDF Magazin Royale dem Guru und seinem kommerziell abgehobenen und politisch grausligen Imperium eine Sendung gewidmet – guckst du: Wie es in Religionen seit dem Neolithikum Standard ist, wird auch von Bhakti Marga selige Liebe versprochen und angemahnt, schnödes Geld gemacht und Fremdes ausgegrenzt und verachtet.
    Mal schauen, ob und inwiefern die sogenannte Öffentlichkeit ein Vierteljahrhundert nach der Universalen Kirche im Kursaal auf den gruseligen Guru im töteligen Jungfrau Park reagiert. Gut möglich, dass alles schweiget und lächelnd kassieret.

Bei den Interlakner Tourismusverantwortlichen jedenfalls, die sich einem Projekt meiner Wenigkeit seinerzeit grundsätzlich verweigert hatten, scheint der Guru bestens und mehrsprachig an- und auf allen Kanälen durchzukommen:

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