An diesem Wochenende war in Adelboden miserables Wetter, aber viel los. Adelboden Live nennt sich das Ganze, strahlend präsentiert es als „neues Boutique-Happening der Alpen“ die Post, angerichtet wurde mit der ganzen grossen Kelle: unter anderem Gölä und die Stubete Gäng, „geframt“ ganz im Sinne der saufseligen Festhütte Adelboden, die aus den Weltcup-Rennen hervorgegangen ist – wahlweise als goldenes Kalb oder Ausgeburt, um eine andere populäre Tonart Adelbodens anklingen zu lassen.
Geframte Festhütte Adelboden
Als ich an einem stürmischen Spätwintertag 1962 im Spital Frutigen zur Welt gekommen war, soll mein Vater mit dem Töffli nach Adelboden gefahren sein und allenthalben gebrüllt haben: „I ha ne Sohn, i ha ne Sohn!“ Unter anderem als Studentenskiweltmeister und als Sohn von Trudi Abplanalp, die bereits in den 1920er Jahren Skirennen gewann, war mein Vater als Sekundarlehrer nach Adelboden gekommen.

Ich bin, im Gegensatz zu den treibenden Kräften von Adelboden Live, also in Adelboden aufgewachsen und habe wie alle anderen Schulkinder in den 1970er Jahren als Helfer meinen kleinen Beitrag zu Fred Rubis Weltcuprennen geleistet. Das war damals immer am Dienstag und meist am Tschenten, weil es schon da am Kuonisbergli (Chuenis erst seit Rechtshändeln wg Kuoni) oft zu wenig Schnee hatte – und Hänsi Pieren noch nicht Pistenkunst machte, sondern mit mir in der Klasse sass (an den Schülerrennen schlug er mich immer, ich wurde meist Dritter, so mit Rüedi Buchser und Häni Bärtschi).
Aber item, dies nur vorab, um meine Legitimation nachzuweisen.
40 Jahre Stafel-Dorfet
Austeilen will ich nicht in Sachen sportlicher, sondern musikalischer Kultur: Es ist nämlich heuer genau 40 Jahre her, dass eine Gruppe junger Leute aus Adelboden etwas auf die Beine stellte, das übers Vogellisi-Festival zum Mega-Event von diesem Wochenende führte – und dabei ähnlich pervertiert wurde wie die Weltcuprennen oder das Vogellisi.
Im Rahmen des Jugendvereins „Dr Stafel“, den unter anderem René, Björn und ich unter dem Präsidium von Erika Pieren-Aellig und der Kontrolle des kirchlichen Jugendarbeiter um die Wende zu den 1980er Jahren gründeten, veranstalteten wir an einem Wochenende 1985 mitten im Dorf ein ambitioniertes Festival – hier das wunderbare Original-Plakat von Björn, gedruckt natürlich von Rudi bei Hänni.

Wir, vielleicht ist das selbstverständlich, waren die falschen Leute zur falschen Zeit am richtigen Ort: Der Adelbodmer Gemeinderat, der seine Korrespondenz an einen „Dr. Stafel“ richtete, erkannte das Potenzial eines populären Musikfestivals ebensowenig wie der Kur- oder der Hotelierverein – nur Loretans, die eben nach Adelboden in den neuen Adler gekommen waren, zeigten Interesse an Packages à la Sport und Musik.
Zum Schluss noch dies: Hauptact der Dorfet war die Band mit Tinu Heiniger, Schifer Schafer und Sam Jungen – ein grandioses Trio. Als die Musiker nach ihrem Gig packen wollten, war indes der Gitarrenkasten von Tinu Heiniger zerstört: Nimmt mich wunder, welche Burschen das verbrochen haben? Ich habe den einen oder anderen Verdacht – Hänsi, Rüedi und Häni waren es kaum!
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